Hilde - Die Rettung eines Frischlings

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  • Durch Martina Zehrer
Hilde - Die Rettung eines Frischlings

Mehr tot als lebendig war die Hand voll Leben als wir "Hilde" das erste Mal in den Händen gehalten haben. Übersät mit Fliegeneiern und unwahrscheinlich schwach. Am ersten Tag habe ich ihr noch keinen Namen gegeben, weil ich befürchtet habe, dass sie die Nacht nicht überleben wird und der Abschied dann noch schwerer fällt...

Der ortsansässige Jäger bekam Anrufe, dass verwaiste Frischlinge gesichtet worden sind. Er hat sich auf den Weg gemacht, um mehrere Stunden nach den Frischlingen Ausschau zu halten. Versteckt im hohen Gras hat er dann, den völlig dehydrierten Zwerg, entdeckt. An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass lediglich der zuständige Jäger vermeintlich verwaiste bzw. kranke Tiere mitnehmen oder anfassen darf. Er hat das fachliche Wissen um sicherzustellen, dass es sich wirklich um ein verlassenes Tier handelt und das Elterntier nicht nur auf Nahrungssuche ist. An dieser Stelle möchte ich mich herzlich bei dem Bauer und dem Jäger sowie allen anderen Helfern für ihren unermüdlichen Einsatz bedanken...

 

Schnell hat sich ein Netzwerk von Helfern gebildet, die, gemeinsam mit dem Jäger, nach dem anderen Frischling suchten. Und viele andere Helfer, die Informationen, Nahrung und Telefonnummern beschafften. Wie immer, war es ein Samstag Nachmittag und sämtliche Fachläden hatten natürlich bereits geschlossen. Tatsächlich hat sich ein Schweinemastbetrieb gefunden, der uns mit Ferkelaufzuchtmilchpulver für das Wochenende ausgeholfen hat. Ich bin total überwältigt, wie viele Menschen bereit sind zu helfen und das ohne wenn und aber - DANKE !!!

Nach mehrstündiger Suche haben die Helfer, den leider bereits verstorbenen, zweiten Frischling gefunden - Ruhe in Frieden, arme kleine Seele... Dies wiederum hat uns den ersten Eindruck bestätigt, das Hilde auch bereits mehr tot als lebendig war. Ihre Atmung war schon sehr flach, sie war total unterkühlt und freiwillig getrunken hat sie auch nicht. Alle Kräfte und Gebete waren gefragt. 

 

 

Bis die Wärmelampe bei uns eingetroffen ist, habe ich Hilde auf dem Arm gewärmt und mich mit ihr auf die warme Terrasse gesetzt. Sie hat sich immer an meinen Hals gekuschelt und nach drei Stunden auch angefangen zufrieden zu grunzen. Bereits nach zwei Stunden hat sie auf meine Stimme reagiert, aber sie war immernoch verdammt schwach. Die Hinterläufe knickten, bei dem Versuch zu laufen, immer wieder ein und sie kippte um. Sie fiel ständig in einen komatösen Schlaf, was zeigte wie erschöpft die kleine Maus war. Vermutlich war sie schon tagelang auf der Suche nach Nahrung bzw. ihrer Mutter. 

 

 

Beten und bangen, dass sie auf die Aufzuchtmilch nicht mit Durchfall reagiert. Bei ihrem Zustand wäre das besonders kritisch. 

Wir haben einen großen Karton mit Decken und Handtücher ausgelegt und die Rotlichtlampe darüber gehängt. Wir haben nur die Hälfte beleuchtet, so kann das Schweinchen selbst entscheiden ob es lieber warm oder kühler liegen möchte. Sie lag natürlich immer direkt unter der Lampe. Ich habe mein Nachtlager auf dem Sofa bezogen und mir den Wecker stündlich gestellt. Ein riesen Stein ist mir vom Herzen gefallen, als Hilde mitten in der Nacht plötzlich angefangen hat, gegen die Flasche zu boxen, weil ihr das füttern zu langsam ging - in dem Moment war mir klar, dass die erste Hürde geschafft war. Den Wecker konnte ich mir ab dem Zeitpunkt auch sparen, da ich stündlich von einem wütenden Grunzen geweckt wurde :-)

 

 

 

Ich war so erleichtert und der Name "Die wilde Hilde" war geboren... Als sie am nächsten Tag, dann auch festen Kot absetzte und immer wieder pieseln ging, war uns klar, dass sie sehr gute Chancen hat alt zu werden.

Für den nächsten Tag konnte ich eine Aufzuchtstelle ganz in der Nähe organisieren, hier springt sie jetzt mit auf dem Hof rum und spielt in der Halle mit den Hunden!

Wenn ich sie besuchen gehe, dann glaube ich tatsächlich, dass sie mich noch erkennt. 

Wir werden für sie einen Endplatz in einem Wildgehege suchen, wo sie mit Artgenossen alt werden kann. 

Ich bin so unendlich glücklich, dass wir dieses Leben retten konnten und wahnsinnig dankbar für dieses Erlebnis !

Bei Fragen, dürft Ihr uns gerne anschreiben.

 

Eure Martina  

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