Schulterfreiheit – was ist das und wie messe ich das?

  • Geschrieben am
  • Durch Maximilian Zehrer
Schulterfreiheit – was ist das und wie messe ich das?

"Der ist zu eng an der Schulter." Jeder Pferdebesitzer kennt diesen Satz und weiß: Jetzt braucht mein Pferd einen anderen Sattel. Aber was meint denn der Sattler damit?

Die Pferdeschulter und der Sattel

 

Das Schulterblatt, mit seinem Knorpel am oberen Rand, wird ausschließlich durch Muskeln und Bänder in seiner Lage gehalten. Eine starre Verbindung von Knochen zu Knochen mittels eines Gelenks, so wie das beim Menschen der Fall ist, würde man vergeblich suchen. Das Schulterblatt bildet den Abschluss der vorderen Extremität und ist maßgeblich am Bewegungsablauf beteiligt.

 

 

Was ist Schulterfreiheit?

 

Sieht man sich das untere Bild an, fällt auf, dass der Sattel unter anderem im hinteren Aktionsbereich der Schulter zum Liegen kommt. Ist der Sattel richtig angepasst, bleibt im Bereich der Schulter genügend Platz, damit sich die Schulter ungehindert unter dem Sattel bewegen kann. Freier Platz also unter dem Sattel im Schulterbereich.

 

 

Drei Punkte zur Beurteilung der Schulterfreiheit

Die Weite

 

Ist ein Sattel vorne zu eng, drückt er die beiden Schulterpartien zusammen. Eine ungehinderte Aktion der Schulter ist somit nicht mehr möglich. Genauso fatal wirkt sich ein zu weiter Sattelbaum aus. Er rutscht viel zu tief nach unten in die Schulter hinein und liegt im schlimmsten Fall mit der Fork auf dem Widerrist auf – ein absolutes "No Go"!

 

 

 

Die Winkelung

 

Schaut man über die Pferdekruppe auf die rechte und die linke Schulterpartie, kann man die Winkelung der Schultern sehen. Sie ist bei jedem Pferd individuell, mal steiler und mal flacher. Dieser Line muss der Sattel folgen.

 

 

Ist der Sattel zu flach, drückt er im oberen Bereich. Ist er zu steil, im unteren.

 

 

 

Der Schwung

 

Läuft ein Pferd, dann hebt es die Rückenlinie, im Gegensatz zum stehenden Pferd, leicht an. Dieser Umstand muss beim Anpassen eines Sattels berücksichtigt werden. Sprich, der Schwung des Sattels wird (wie in Beispiel 1) so ausgewählt, dass zwischen Rücken und Sattel etwas Luft ist. Wie viel, hängt unter anderem vom Ausbildungsstand des Pferdes ab. Das führt natürlich dazu, dass der Sattel im Stehen weniger Platz an der Schulter lässt. Bewegt sich das Pferd aber vorwärts (Beispiel 2), hebt sich die Rückenlinie und damit auch der Sattel leicht an. Die Schulter wird frei! Probieren Sie es aus: Satteln Sie Ihr Pferd, setzen jemanden darauf und versuchen Sie, im Stehen mit der flachen Hand zwischen Westernpad und Schulter durchzufahren. Dann lassen Sie den Reiter Schritt reiten und fahren nochmals, während Sie mitlaufen, mit der Hand an der gleichen Stelle zwischen Westernpad und Schulter durch. Merken Sie, dass in der Bewegung mehr Platz ist?

 

 

Die meisten Pferde reagieren auf Druck im Schulterbereich sensibel, was sie im Bewegungsablauf zum Ausdruck bringen. So kann zum Beispiel konsequentes Anspringen im Außengalopp oder Widersetzlichkeiten am Zügel ein Fingerzeig auf den Sattel sein. Immer kürzer werdende Bewegungen der Vorhand oder ein beim Satteln angespanntes Verhalten des Pferdes sollten zum Anlass genommen werden, die Passform durch einen Profi überprüfen zu lassen.

 

 

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